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Historische Entwicklung der Kugelspiele  & aktuelle Sportsituation

Die hier abgebildeten Originale stammen aus der Privatsammlung von Rein de Baaij, Wuppertal.

Die Spielidee, einen Gegenstand möglichst näher an ein vorgegebenes Ziel zu befördern als der jeweilige Konkurrent,  ist wohl eine der ältesten überhaupt. Egal ob Ringe, Münzen, Scheiben,  Hufeisen oder Steine, -  seit der Antike wetteifert man auf der ganzen Welt, wer besser  ins Ziel rollt, wirft, schnippt, schleudert oder schiebt.  Schon im 2. Jhdt. n. Chr. belegt die Literatur das Trägerspiel der Römer, bei dem Steine möglichst nahe an einen Zielstein heran geworfen wurden und der Verlierer den Gewinner anschließend auf den Schultern zum Zielstein tragen musste. Dass seit dem Mittelalter in verschiedenen europäischen Ländern mit Holzkugeln gespielt wurde, belegen Boule-Verbote, die von den Landesherren immer wieder ausgesprochen wurden, damit sich die Untertanen „sinnvolleren“ Tätigkeiten widmen.
Mit der Zeit entwickelten sich verschiedene regionale Kugelspiele (Boccia, Bowls, Boule Lyonnaise) die zum Teil recht komplizierte Regeln haben oder speziell präparierte Bahnen erfordern.
Mitte des 19. Jahrhunderts begann man die Holzkugeln mit Nägeln zu beschlagen, um sie stabiler und haltbarer zu machen. Tasche mit zwei Kugeln um 1840; Privatsammlung Rein de Baaij, Wuppertal





[silberne genagelte Jeu provençal/Petanque Kugel um 1920, Privatsammlung Rein de Baaij, Wuppertal]
Erst 1923 wird die erste Metallkugel hergestellt.
Aus dem heute noch in Frankreich gespielten Boule Lyonnaise (es wird mit Anlauf gespielt, die Kugeln sind größer und schwerer, die Spieldistanz ist länger) entwickelte sich in der Provence das Jeu Provençal  (vor dem Wurf müssen bestimmte Schrittfolgen eingehalten werden, die Spieldistanz ist länger), das hauptsächlich regionale Bedeutung hat.
1907 wurde in der Nähe von Marseille Pétanque „erfunden“: Eine Gruppe Boulisten einigte sich darauf, von nun an „mit geschlossenen Füßen“ (pieds tanqués) also aus den Stand zu spielen, damit ein  rheumakranker Mitspieler, der die Schrittfolgen des Jeu Provençal nicht mehr ausführen konnte, weiterhin am Kugelspiel teilnehmen konnte.
Spricht man heute von Boule, ist meist Pétanque gemeint, das inzwischen weltweit verbreitetste dieser Kugelspiele.
Der Internationale Verband  F.I.P.J.P wird 1958 gegründet und hat heute 600.000 Lizenzspieler in 71 Ländern.
Der erste deutsche Bouleverein entsteht 1963  in Bonn Bad Godesberg.
Neben dem reinen Hobbyspiel ist Pétanque auch als Wettkampfsportart groß im Kommen.
In Deutschland sind ca. 14.000 Wettkampfspieler aus 544 Vereinen  im Deutschen Pétanque Verband organisiert, die um regionale, nationale und internationale Titel, z.B. die jährlich ausgetragene Weltmeisterschaft spielen.
Neben verschiedenen Ligen auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene existiert seit 2007 in Deutschland auch eine Pétanque-Bundesliga.