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Körperprojektion

Bild & Text:  Andreas Gasper

Ein Storchennest als Schattenriss vor dem Feuerball der untergehenden Sonne – ein faszinierendes Bild und doch eine Illusion, denn was hier als Sonnenfläche erscheint ist in Wahrheit ein einfacher Ausschnitt aus dem Abendhimmel, projiziert auf die berühmten 4 Buchstaben.
Auch auf den zweiten Blick bleibt das Bild interessant, die Form der Leinwand – also das Hinterteil der jungen Frau – ist im Schattenriss des Turms in stilisierter Form nachgezeichnet.

Viel Stoff zum Nachdenken, dafür, dass hier auf selbigen vollständig verzichtet wurde. Ähnlich wie die moderne Körperbemalung, die den Körper einer komplexen Metamorphose unterwirft, um etwas ganz Neues zu schaffen, steht auch bei der Körperprojektion die Transformation im Vordergrund. Im Gegensatz zur Körpermalerei ist hier der handwerkliche Aspekt allerdings von untergeordneter Bedeutung – es kommt nicht auf den gekonnten Pinselstrich an – vielmehr sind kompositorische Fähigkeiten und Kenntnisse im Bildaufbau gefragt.

Der praktische Aufbau ist dabei denkbar einfach. Man nehme einen Projektor – dabei kann es sich um einen herkömmlichen Diaprojektor oder Beamer, aber auch um einen Filmprojektor handeln. Dann benötigt man noch einen Raum, der vollständig abzudunkeln ist, ein Stativ und eine Kamera, die lange Belichtungszeiten zulässt. Bei Verwendung einer Digitalkamera sollte diese möglichst wenig anfällig für Bildrauschen sein.

Erste Gehversuche können nun beispielsweise darin bestehen den Körper mit einer ungewohnten Textur zu belegen. Egal ob versteinert oder mit einem Muster bedeckt, die Ergebnisse sind auf jeden Fall sehenswert.

Auch Naturaufnahmen bieten ein faszinierendes Betätigungsfeld, hier kann mit Ähnlichkeiten genauso wie mit Gegensätzen gearbeitet werden.

Ein anderes, weites Feld sind Bildvorlagen aus der Kunst. Die Möglichkeiten der Umsetzung sind hier naturgemäß unbegrenzt. Wir greifen beispielhaft einen Aspekt auf, den ich als Mimikry in der Kunst bezeichnen möchte:
In zahlreichen Werken expressionistischer und kubistischer Künstler lassen sich mit etwas Fantasie menschliche Formen entdecken. Die Körperprojektion bietet die einmalige Möglichkeit diese versteckten Formen in den Vordergrund zu stellen und sichtbar werden zu lassen.

Richtig spannend wird es, wenn die Bildvorlage speziell für die Körperprojektion entsteht. Durch den zweifachen Schöpfungsprozess ergeben sich Einschränkungen – die Vorlage muss als Projektion auf den Körper passen – gleichzeitig aber auch ungeahnte Möglichkeiten, ganz neue Bildaussagen zu schaffen.

Anregungen für diese komplexen Kreationen lassen sich in allen Bereichen finden. Für das hier dargestellte Bild war es die Verwendung des Begriffes „Körperprojektion“, wie er in der Mathematik verwendet wird.
Unter Projektion oder Körperprojektion versteht man in der Mathematik die Abbildung eines Körpers auf eine ebene oder topographische Fläche. Diese dimensionale Reduktion geschieht mit Hilfe einfacher geometrischer Transformationen. Anschaulich wird aus einem räumlichen Körper ein flächiges Abbild. Die Form des Abbildes ist neben der Ursprungsform von der Projektionsrichtung abhängig. So wird aus einem Würfel je nach Projektionsrichtung ein Quadrat oder ein Sechseck. Die gleichen Regeln werden entsprechend auf höherdimensionale Körper angewendet. Ein vierdimensionales Objekt – wie der Hyperkubus – erhält ein dreidimensionales Abbild. Wendet man diese Transformationen auf komplexere vierdimensionale Körper an, so erhält man solche, recht bizarr anmutenden Formen.
 
 


Die Körperprojektion ist ein spannendes Feld für jeden ambitionierten Fotografen. Wir möchten mit diesem Artikel und dem anschließenden Wettbewerb mehr Publikum für diesen Bereich der Fotografie schaffen und sie ein wenig aus ihrem Schattendasein befreien. Das Potential für eine eigenständige Kunstform ist hier ganz sicher vorhanden.

 

 
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